Sonntag, 6. Januar 2008

Der Tempel

Ich habe mein letztes Leben geschenkt bekommen. Den Namen, das Geschlecht, das Aussehen- alles war ein komisches Geschenk. Ich kann bis heute nicht genau beurteilen, ob das etwas Gutes war oder jemand sich einen schlechten Witz mit mir erlaubt hat. Jetzt sitze ich hier und erinnere mich an alles, was ich damals erlebt habe.
Manchmal denke ich für mir, es wäre viel einfacher, wenn man einfach sterben könnte...
Hey, was machst du hier allein? Bald kommen auch die anderen. Willst du mit mir spazieren gehen?“ Ihre Hand lag an meiner Schulter. Ich habe ihre Hand in meine genommen und ich stand langsam auf, „Gerne, meine alte Freundin. Ich war schon seit der Ewigkeit nicht mehr hier.“
„ Mach dir keine Sorgen, hat sich kaum was verändert.“, sie lächelte fröhlich und schritt zum Alter “Schau, die Opfer sind dieselben. Man bekommt sie aber immer seltener. Die Menschen vergessen, was der Glaube ist...“. Durch ihr Gesicht fuhr ein Schatten für einen Moment, aber dann wurde es schon wieder klar.
Wir gingen durch die Säulen. Der kalte Marmor und die warme Sonne. Der Wind war sanft und freundlich. Ich konnte das Meer in der Ferne hören. Das Gras war grün und weich unter meinen Füßen.
Na komm schon! Erzähl wie es da unten ist, in der anderen Welt.“
„ Wie ist es da? Ist ein anderes Leben. Manchmal inhaltsreicher, manchmal einfach sinnlos. Kommt darauf an, wie man es lebt. Sind aber nur wenige, die es wirklich leben, die meisten überleben einfach. Und das, was man gut und böse nennt, hat neue Demensionen bei den Menschen. Es ist aber eine lange Geschichte... Oder besser gesagt, sind viele kurzen Geschichten. Weil wirklich wichtig sind die Sachen, die nicht so lange dauern, aber für immer bleiben. Obwohl der Mensch nicht wirklich das Wort „für immer“ kennt. Welche Geschichte willst du dir anhören?“
Sie saß da still und überlegte eine Weile. Die Sonne neigte sich zum Untergang und es wurde langsam kälter.
„ Man hat hier viele Geschichten über die menschliche Liebe gehört und das, was sie leisten könnte... Sag mal, stimmt das? Ist die Liebe wirklich diese Kraft, die auch die Götter besiegen könnte?“
„ Die Liebe...“ ich wusste nicht, wie ich hier anfangen soll. Erwartet war die Frage schon, aber die Antwort fällt mir immer schwer. „ Die Liebe ist viel... und oft auch nichts. Es ist die Sache, über die die meisten gerne sprechen, aber nur wenige kennen. Das ist vielleicht dieses Ding, was am Göttlichsten bei dem Menschen ist. Ja, richtig hörst du es. Am Göttlichsten, weil den Menschen nur wegen ihm selbst zu lieben, ist viel mehr eine Göttersache als etwas Menschliches. Die Liebe des Mannes zu der Frau und andersrum ist eine schöne Fassade eines wilden Triebes oder einer Bedürfnis nach Gesellschaft. Leider entspricht diese Fassade kaum der Wahrhaftigkeit dieses Gefühls. Diejenigen, die wirklich lieben können verletzen die anderen nicht so oft und der Mensch... Er verletzt gerne und fragt kaum nach einer Entschuldigung...“
Ich saß neben ihr und wir schwiegen zusammen. Ja, die Wahrheit ist nicht immer angenehm. Die Menschen hatten früher die Götter gerne, weil sie uns mächtig und perfekt fanden. Die Götter auf anderer Seite mögen die Menschen, weil sie deren Gefühle haben wollen. Wir haben auch Gefühle... Andere, aber im Prinzip bessere als diese, die man als ein Mensch erleben könnte. Ich verstehe das Ganze oft nicht...
Und dann kam er, der höchste Gott von allen, schritt mit menschlicher Gestalt zu uns und fragte:„ Du hast ein ganzes Leben unter den Menschen als eine von denen verbracht. Und das Gefühl...Wie ist es?..." "Welches Gefühl?" "Das Gefühl Mensch zu sein..." "Ich kenne es nicht" antwortete ich und dachte nach: "Es sollte aber echt unangehnem sein..."
Die Sonne ging endgültig unter. Die Götter kehrten am Abend in ihren letzten Tempel zurück. Der kalte Marmor war kälter als normal und die schönen Gesichter der Skulpturen starrten uns mit leeren Blicken an.
Ja, es sollte wirklich unangenehm sein...

Herbst

Die Zeit vergeht sehr schnell.
Es ist schon wieder Herbst. Der Sommer ist irgendwo in der Vergangenheit geblieben und die warmen Tage haben plötzlich aufgehört. Es passierte unglaublich schnell- auf einmal wurden die Nächte kälter, man brauchte schon wieder die dicken Winterdecken und das Schlafen beim offenen Fenster brachte Frische in den Morgenstunden.
Noch vor dem Buntwerden der Blätter war die Veränderung in der Luft zu riechen. Diese kaum bemerkenswerte Kühle, der Duft des frisch geschnittenen Grases, die Vögel, die nicht mehr sangen. Alles war schon da, und die Leute versuchten das Ganze zu ignorieren. Keiner wollte die wilde Hitze des Sommers verlassen.
Manche konnten es aber genießen. Wie die Frau, die durch das Feld schritt und die letzten warmen Sonnenstrahlen aufnahm. Ich fuhr einfach weiter. Ich hatte die Luft schon in den Lungen, ich hatte den bittersüßen Geschmack im Mund.
Die Zeit verging zu schnell.
... Drift softly, ‘cause you drifting in my dream...
Ein Jahr war schon vorbei. Ein ganzes Jahr an diesem neuen Ort, mit dieser neuen Sprache, mit der fremden Kultur und komischen Leuten. Den Ort kannte ich schon gut, die Sprache war mir nicht mehr neu, die Kultur und die Menschen blieben mir jedoch fremd. In diesem Jahr habe ich mich mit voller Kraft in das Leben gestürzt und die letzten Stücke meiner Kindheit verlassen.
Ich konnte mich immer noch an meine Schule und an die letzten Jahre in meiner Heimat errinern. Die Sorgen, die wir damals hatten, diese kleinen unnötigen Sorgen. Ich konnte sogar meine damaligen Gedankengänge nachvollziehen. Alles war vollkommen anders. Die Luft und der Duft blieben aber so. Herbstlich, nachdenklich, gemütlich. Die trockenen bunten Blätter auch. Die kleinen Kastanien, die mich früher an den Schulanfang erinnert haben- alles, alles war dasselbe und irgendwie anders!
Die Zeit läuft immer schneller. Je älter wir werden, desto schneller geht alles vorbei. WIe einen kleinen Moment und dann ist es weg... für immer! Wir schaffen es nicht zu verstehen, was rund um uns und mit uns passiert und so verpassen wir viel.
Was wir da alles glauben zu wissen und was in der Tat Wirklichkeit ist. So kompliziert und eigentlich einfach.
Letztendlich kommt immer der Herbst mit seinen Auswertungen, Bewertungen, Benotungen und egal was noch dazu. Die Melancholie der vergangenen Sommer und dieser Geschmack, der im Mund bleibt und im Hals steckt.
Die Sachen, die wir immer machen wollten, aber irgendwie schon wieder nicht geschafft haben. Die Dämonen, denen wir zu entfliehen versuchten.
Und die Erwartung, die einzige Erwartung des kalten Winters. Dann dreht sich das Rad schon wieder und alles fängt von vorne an; mit den Hoffnungen, die wir verloren haben und diesen, die wir auf dem Weg neu gefunden haben.
Am Ende bleiben aber nur die Blätter, mit denen der Wind spielt, der kalte Regen und der Fluss. Der Fluss, der so viel Ruhe in mein Leben gebracht hat.
Und die Blätter, diese bunte herbstliche Vergänglichkeit, die uns allen irgendwie am Herzen liegt...

Gewitter

Die Wolken ziehen schnell vorbei.
Es ist schon wieder diese Zeit zwischen Nacht und Tag; gleichzeitig dunkel und hell. Die Welt hatte für eine Weile die Farbe des Scheiterhaufens. Der Regenbogen erstreckt sich mächtig über den gelben Himmel.
Ein Gewitter zieht langsam auf.
Die Vögel haben aufgehört zu singen. Eine unheimliche Stille liegt auf der Stadt, nur der Donner verjagt ab und zu dieses schwere Gefühl der Erwartung. Die Nacht holt ein, der Wind zieht immer stärker auf und die Lichter gehen aus. Die Menschen verstecken sich in der scheinbaren Sicherheit ihrer Bettdecken, hoffend, dass alles bald vorbeigehen wird.
Ach, die Menschen! Ich begegne ihnen jeden Tag und frage mich, warum sie alle so komisch sind. Ich verstehe ihre Sprache nicht mehr, ich verstehe kaum ihre Gedanken und ihre Kultur. Und ich konnte einst all diese Sachen nachvollziehen. Immer öfter erinnere ich mich an die längst vergangenen Tage oder ich glaube mich an jene zu erinnern. Die Zeit hat schon lange meine Erinnerungen zerstreut. Ich habe nur noch kleine Fragmente, die ich leider nicht mehr zuordnen kann.
Es blitzt und es donnert. Das Gewitter fängt seinen wilden Tanz an. Die bloße Silhouette der Bäume schließt sich ein. Der Regen trommelt auf die Dächer und die Kälte schleicht von den geöffneten Fenstern in die Häuser.
Ich bleibe sitzen und beobachte die Show der Natur, für die es keine Eintrittskarte gibt und der Preis ziemlich hoch ist.
Die Wolken ziehen fort. Der Wind nimmt langsam ab. Kein Vogel ist zu hören, kein Lebenwesen zu sehen.
Die Götter brauchen genauso, wie das fünfte Element, die Liebe, um zu exsistieren. Wenn sie die nicht mehr haben, dann brauchen sie auch keine Menschen.
Die Welt wurde für sieben Tage erschaffen, sagen die Menschen. Na dann, bald ist schon wieder Zeit zum Basteln.
Die Häuser bleiben still stehen, die Bettdecken schützen ihre Inhaber nicht mehr.

Ich habe die Frische nach dem Gewitter immer gemocht, sie hat mich immer an den neuen Anfang erinnert...

Change in Plan!

Hm, ich wollte eigentlich ein neues Blog erstellen, extra für alle, die hier leider nicht lesen konnten... Aber ich bin viel zu faul und beansichtige dieses Blog weiterzubenutzen ^^
Also, willkommen noch mal und dies Mal auf eine verständliche Sprache.
Da diese Sprache nicht meine Muttersprache ist, werden bestimmt manche Fehler auftreten und ich entschuldige mich im Voraus.

Und jetzt etwas über das ganze Ding hier. Ich schreibe ab und zu kurze Geschichten, Erzählungen oder einfach Gedanken. Damit diese leicht zugänglich sind, ich schreibe die einfach hier rein.

Freue mich sehr über Eure Meinungen, Aufregungen, Korrekturen und was auch sonst.

Viel Spass

LG,
Die Blogerin ***