Die Zeit vergeht sehr schnell.
Es ist schon wieder Herbst. Der Sommer ist irgendwo in der Vergangenheit geblieben und die warmen Tage haben plötzlich aufgehört. Es passierte unglaublich schnell- auf einmal wurden die Nächte kälter, man brauchte schon wieder die dicken Winterdecken und das Schlafen beim offenen Fenster brachte Frische in den Morgenstunden.
Noch vor dem Buntwerden der Blätter war die Veränderung in der Luft zu riechen. Diese kaum bemerkenswerte Kühle, der Duft des frisch geschnittenen Grases, die Vögel, die nicht mehr sangen. Alles war schon da, und die Leute versuchten das Ganze zu ignorieren. Keiner wollte die wilde Hitze des Sommers verlassen.
Manche konnten es aber genießen. Wie die Frau, die durch das Feld schritt und die letzten warmen Sonnenstrahlen aufnahm. Ich fuhr einfach weiter. Ich hatte die Luft schon in den Lungen, ich hatte den bittersüßen Geschmack im Mund.
Die Zeit verging zu schnell.
... Drift softly, ‘cause you drifting in my dream...
Ein Jahr war schon vorbei. Ein ganzes Jahr an diesem neuen Ort, mit dieser neuen Sprache, mit der fremden Kultur und komischen Leuten. Den Ort kannte ich schon gut, die Sprache war mir nicht mehr neu, die Kultur und die Menschen blieben mir jedoch fremd. In diesem Jahr habe ich mich mit voller Kraft in das Leben gestürzt und die letzten Stücke meiner Kindheit verlassen.
Ich konnte mich immer noch an meine Schule und an die letzten Jahre in meiner Heimat errinern. Die Sorgen, die wir damals hatten, diese kleinen unnötigen Sorgen. Ich konnte sogar meine damaligen Gedankengänge nachvollziehen. Alles war vollkommen anders. Die Luft und der Duft blieben aber so. Herbstlich, nachdenklich, gemütlich. Die trockenen bunten Blätter auch. Die kleinen Kastanien, die mich früher an den Schulanfang erinnert haben- alles, alles war dasselbe und irgendwie anders!
Die Zeit läuft immer schneller. Je älter wir werden, desto schneller geht alles vorbei. WIe einen kleinen Moment und dann ist es weg... für immer! Wir schaffen es nicht zu verstehen, was rund um uns und mit uns passiert und so verpassen wir viel.
Was wir da alles glauben zu wissen und was in der Tat Wirklichkeit ist. So kompliziert und eigentlich einfach.
Letztendlich kommt immer der Herbst mit seinen Auswertungen, Bewertungen, Benotungen und egal was noch dazu. Die Melancholie der vergangenen Sommer und dieser Geschmack, der im Mund bleibt und im Hals steckt.
Die Sachen, die wir immer machen wollten, aber irgendwie schon wieder nicht geschafft haben. Die Dämonen, denen wir zu entfliehen versuchten.
Und die Erwartung, die einzige Erwartung des kalten Winters. Dann dreht sich das Rad schon wieder und alles fängt von vorne an; mit den Hoffnungen, die wir verloren haben und diesen, die wir auf dem Weg neu gefunden haben.
Am Ende bleiben aber nur die Blätter, mit denen der Wind spielt, der kalte Regen und der Fluss. Der Fluss, der so viel Ruhe in mein Leben gebracht hat.
Und die Blätter, diese bunte herbstliche Vergänglichkeit, die uns allen irgendwie am Herzen liegt...
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